Die Aalseite
- Wissenswertes, Interessantes, Legenden, Rezepte -

Der Aal ist der wohl faszierendste Süßwasserfisch den ich kenne. Um sein Leben und seine Herkunft gibt es viele Märchen und Legenden. Einiges ist wahr, vieles ist unwahr. Ich versuche auf den folgenden Seiten möglichst viele Informationen für den interessierten Leser über den europäischen Flußaal zusammenzustellen.

Wissenschaftliches
Anguilla anguilla (Linné 1758)
Flußaal, Gelbaal, Steigaal, Silberaal, Blankaal

Aussehen: Langgestreckter, vorn drehrunder, im hinteren Drittel leicht seitlich zusammengedrückter Körper. Der Kopf ist je nach Ernährungsweise entweder spitz (Allesfressertyp) oder breit (Raubfischtyp). Die Maulspalte ist mittelgroß bis tief. Kiemenspalten sehr eng und senkrecht stehend. Alle unpaaren Flossen bilden in ihrer Gesamtheit einen Flossensaum. Dem mit sehr kleinen Schuppen bedeckten Aalkörper fehlen die Bauchflossen. Die dunkelgraue bis dunkelbraune Rückenfarbe steht in deutlichem Kontrast zum Gelb des Bauches (Gelbaal), der sich beim abwandernden Aal in ein silbriges Weiß verwandelt (Blankaal)
Nahrung: Die im Meer lebende Aallarve frißt ausschließlich Plankton. Die in den Flußmündungen aufsteigenden Steigaale sind in der Regel Kleintierfresser, ebenso der ältere Spitzkopfaal. Im Gegensatz zu diesen ernährt sich der Breitkopfaal vorwiegend von größeren Kleintierarten wie Krebsen, Muscheln und Fischen
Verbreitung: östlicher Atlantik mit seinen Randgewässern (Ostsee, Nordsee, Mittelmeer) und die ihnen zufließenden europäischen, nordafrikanischen und vorderasiatischen Flüsse
Rote Liste: Der Aal ist inzwischen in die rote Liste der stark gefährdeten Fischarten aufgenommen. In den letzten Jahren erreichen immer weniger Glasaale die europäischen Küsten. Durch den Kraftwerksbau kann eine natürliche Zuwanderung über den Rhein praktisch nicht mehr erfolgen. Zudem werden abwandernde Aale durch die Turbinen der Kraftwerke in erheblichem Umfang tödlich verletzt. Durch den hohen Fettreichtum der Aale lagern sich organische Chlorverbindungen im Gewebe ab, was ebenfalls zu verminderter Fortpflanzungsfähigkeit führen kann. Praktisch der gesamte Aalbestand der Rheinzuflüsse beruht auf Besatzmaßnahmen

Lebenslauf eines Aals
Die Wiege des europäischen Flußaals liegt in den Tiefen der Sargossosee, südwestlich der Bermuda-Inseln. Aalwanderung/VerbreitungÜber die Paarung und Eiablage ist auch heute noch sehr wenig bekannt. Man vermutet, daß die Aalweibchen in einer Tiefe von ca. 500Metern bei einer Wassertemperatur von ca. 17°C ihre 1-1,5 Millionen Eier ins freie Wasser abgeben und die Männchen daraufhin ihre Samen abstoßen. Öltropfen in ihren Gewebe verhindern ein Absinken der Eier auf den 6000 Meter tiefen Meeresboden. Im Frühjahr schlüpfen die etwa 4-5mm langen Larven die sich in den nächsten Monaten zu Weidenblattlarven entwickeln. Die Larven treiben mit dem Golfstrom Richtung Europa. Tagsüber ttreiben sie in ca. 200-300mtr. Tiefe, während sie nachts bis auf 25mtr. aufsteigen können. Nach etwa 3 Jahren erreichen die Weidenblattlarven die Mündungsgebiete der europäischen Flüsse.
Etwa 100km vor der europäischen Küste beginnt die Metamorphose der Weidenblattlarve zum Glasaal. Die Körperform wird schmaler und die spitzen Larvenzähne werden durch bleibende Zähne ersetzt. Da das gesamte Verdauungssystem umgewandelt wird, können die Tiere keine Nahrung mehr aufnehmen und verlieren etwa 20% ihres Körpergewichts und Körpergröße. Die Glasaale wiegen ca. 0,3Gramm bei einer Länge von 6-7cm. In einem Kilo Glasaal, auch Aalbrut genannt, sind etwa 3000 Tiere. Jetzt beginnt für die meisten Glasaale der gefährliche Aufstieg in die Flüsse, die für die nächsten 5-18 Jahre ihre Heimat sein werden. Dabei können die kleinen Räuber täglich bis zu 25% ihres Körpergewichtes fressen. Der Körper beginnt sich jetzt nach und nach dunkel zu färben.
Die in den Flußmündungen und Küstenstreifen verbleibenden Aale sind meist Männchen, während die Binnenaale zu den längeren und schwereren Weibchen werden. Man vermutet, daß das geschlechtsbedingte Auseinanderwachsen mit der Besiedlungsdichte in Zusammenhang steht. Ist sie hoch, überwiegen männliche Aale, bei geringerer Dichte überwiegen die weiblichen Aale.
Der Aalaufstieg der Steigaale, wie die aufsteigenden Glasaale genannt werden erreicht ihren Höhepunkt im Frühling und Frühsommer. Dabei dringen riesige Schwärme in jeden größeren Fluß ein. Oft dauert dieser Aufstieg mehrere Jahre. Die Aale verändern langsam ihr Aussehen und bekommen eine gelblichbraune Farbe. Diese Gelbaale fressen jetzt soviel wie möglich und wachsen bis auf eine Größe von 50-80cm heran. Die Männchen werden maximal 40cm lang. Der größte deutsche Aal wog 3,375kg bei einer Länge von 1,16mtr.(Schausammlung des Zoologischen Instituts der Uni Tübingen)
Jetzt beginnt die zweite Metamorphose. Der Gelbaal wandelt sich in den Blank- oder Silberaal um. Der Rücken wird dunkler, der Bauch silbrig-weiß, der Kopf spitzt sich zu und der Durchmesser der Augen verdoppelt sich. Die Brustflossen vergrößern sich, der Verdauungstrakt bildet sich zurück, die Geschlechtsorgane entwickeln sich und Fett wird eingelagert. Im Körpergewebe verändert sich der Gehalt an Salz, Wasser und Fett. Kurz, der Aal paßt sich an die lange Wanderung in der Tiefsee an (große Augen um in der Tiefe besser zu sehen, größere Brustflossen zum schwimmen).
Im Herbst beginnt die zweite große Wanderung zurück in die Sargossosee. Dabei legen die Blankaale im Schnitt 25km im Süßwasser zurück. Im Meer können sie durch Meeresströmungen bis zu 50km am Tag zurücklegen, bis sie nach etwa 5 Monaten im März ihr Ziel erreicht haben. Man vermutet, daß die Aale nach der Eiablage so erschöpft sind, daß sie zugrunde gehen. Der Drang zum Meer ist so stark, daß die Aale ihr Gewässer verlassen und kürzere Strecken an Land bis zum nächsten Fluß zurücklegen. Diese Eigenart führte in der Vergangenheit zu den wildesten Gerüchten. 

Sprüche
-
Wer einen Aal hält am Schwanz, dem bleibt er weder halb noch ganz.
- Wer einen Aal hält am Schwanz und Weiber faßt bei Worten, wie feste er auch hält, hält nichts an beiden Ohren.
- Er ist so glatt wie ein Aal
- sich winden wie ein Aal
- sich aalen